Die Katze im Karton

Erfunden auf dem Dorfplatz in Wallenstedt am 10.08.2021

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Die Katze im Karton

Erster Akt

Ein Neutrum, ein Gespenst namens Spuki, 800 Jahre alt, bewacht den Tafelturm. Das Wahrzeichen in den 7 Bergen. Wie es dazu kam, davon soll diese Geschichte handeln.

Sie beginnt nicht am Tafelturm sondern in Paris. Spuki wurde am Eifelturm gekündigt. Dort hatte es das Raum-Zeitgefüge in Ordnung zu bringen, das durch die Katze Sandra in Unordnung geraten war. Sandra ist schwarz und passt von der Größe her in einen Umzugs-Karton. Es hatte zeitgleich zwei Ereignisse gegeben. Erstens einen Meteoriteneinschlag. Zweitens war die Katze Sandra unentschieden gewesen, ob sie ihren Schweif als Blitzableiter nutzen soll. Wie sie sich entschieden hat, wüsste man erst, wenn man die Kiste öffnet. Problem: sie hat sich einfach nicht entschieden, und so ist alles nach links verschoben worden. Spuki ist es nicht gelungen, den Eifelturm wieder nach rechts zu verschieben. Der 15-jährige Eifelturmwächter Paul Schraubi (frz. ausgesprochen mit Betonung auf dem i) wusste, dass Spuki das schaffen konnte, wenn es nur genug Spinat isst. Hat Spuki aber nicht. Es hat Spinat satt. 800 Jahre nur Spinat, Tafelspitz und Baguette. So wurde ihm gekündigt.

Es braucht einen neuen Turm, und so gibt Spuki eine Annonce im "heißen Draht" auf, das ist eine Gespenstergazette, die es schon etwa 2000 Jahre gibt. Da steht: »Suche Turm, kann auch kleiner. Esse keinen Spinat.« Die Annonce wird fälschlicherweise in den Kontaktanzeigen abgelegt. Und die Gazette wird darüber hinaus falsch zugestellt, in den Briefkasten am Tafelturm.

Im Tafelturm auf der Toilette befindet sich gerade die 73-jährige schwarzhaarige (gefärbt) Edwina Schürsenkel, die in den 7 Bergen wohnt. Sie war von Wallenstedt aus dorthin gewandert und hatte etwas zu viel Kaffee getrunken. Edwina sucht eigentlich einen Förster, etwas Grünes. Die Gespenstergazette "Der heiße Draht" arbeitet mit Hologrammen und dadurch wird Spuki in der Gazette sichtbar. Spuki ist von dem ganzen Spinat der 800 Jahre auch schon ganz grün. Spuki sieht aus der Gazette heraus Edwina und verliebt sich in sie.

Edwina kriegt einen Schreck. Plötzlich steht da ihr Förster Waldemar Schnürsenkel vor ihr, ihr Noch-Ehemann, 26 Jahre, wohnhaft in Wrisbergholzen. Er hat ihren Namen angenommen. Sie sind ein halbes Jahr verheiratet, haben sich aber auseinander gelebt. Er hat eine ältere kennengelernt. Sein Förstergebiet liegt um den Tafelberg herum. Edwina hat aber ihre Brille nicht auf und erkennt ihn zunächst nicht. Darum sagt sie: »Spuki, bist du's wirklich?« – Waldemar dreht sich um, holt ihre Brille aus ihrem Rücksack und setzt sie ihr auf. Er sagt: »Ich muss auch mal«.

Da springt Spuki aus der Gazette.

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Die Katze im Karton

Zweiter Akt

Waldemar verliebt sich augenblicklich in Spuki und er pinkelt sich in die Hose. Gespenster merken am Sich-Einpinkeln, dass beim Gegenüber große Emotionen vorhanden sind. Für Waldemar ist es eigentlich außergewöhnlich, dass er sich eingepinkelt hat. Aber Edwina merkt eben dadurch, dass etwas im Busch ist, denn als sich der Förster in sie verliebt hat, war es genau so passiert.

Sie klebt ihm eine und verschwindet mit ihrem Rucksack im Wald. Die Gazette bleibt liegen.

In Wahrheit ist der Turm ein einziger Raum mit Toilette, Wendeltreppe und weiter oben Aussichtplattform unter'm Dach. Spuki wabert Spuki wabert die Treppen hoch und runter, weil er Edwina im Turm sucht und so verliebt ist in sie. Beim Wabern merkt er, dass es ein Turm ist, indem er sich befindet, und es macht ihm irre Spaß.

Waldemar wird kalt, denn seine Hose ist ja nass. Aber er würde gern bleiben, denn er ist ja verliebt. Er ruft: »Komm wieder runter«. Spuki kommt tatsächlich wieder runter, sieht aber: es ist nicht Edwina, die da gerufen hat.

Da sperrt Waldemar die Tür ab. Spuki wabert durch das Fenster raus auf's Dach. Spuki muss sich entscheiden zwischen Turm, Waldemar und Edwina.

Der Tafelturm gehört übrigens Edwina, nur ihr. Waldemar hat darauf (Gütertrennung) keinen Einfluss. Der Turm ist schon seit 5 Generationen in der Familie.

Turm oder Liebe, fragt sich Spuki also. Und: Gehe ich zurück in die Zeitung oder bleibe ich im Turm. Eheschließung oder Festanstellung. Es muss überlegen, welche Ziele es verfolgt. Spuki spürt, dass Edwina nicht in es verliebt ist.

Spuki überlegt: »Wenn wir eine Beziehung eingehen und sie dann stirbt (sie ist ja schon sehr alt), würde ich den Turm erben und hätte meinen eigenen Turm.« Spuki ist mit seinen 800 Jahren noch recht jung für ein Gespenst.

Edwina rennt durch den Wald nach Hause und holt die Scheidungspapiere. Waldemar ist immer noch kalt, er zieht die nasse Hose aus und wirft sie aus dem Fenster. Da das Gespenst sowieso durchs Fenster raus ist, macht er die Tür wieder auf.

Spuki ist auf dem Dach und grübelt.

Edwina kommt zurück und sieht die Hose wie eine Fahne an einem Ast im Wind wehen und denkt sich sonstwas, ganz schlechte Gedanken. Da hört sie einen Schrei. Aber es ist nur ein Schwarzspecht. Spuki kann von oben sehr gut sehen und sieht Edwina kommen. Als Waldemar ohne Hose (nur mit Stringtanga) aus dem Turm tritt, unterschreibt sie die Scheidungspapiere und schmeißt sie Waldemar vor die Füße. Waldemar nimmt sie auf und rennt super-glücklich mit nacktem Pöter nach Hause.

Spuki rutscht auf einer Bananenschale aus, die jemand von der Aussichtsplattform aus auf das Dach geworfen hatte. Spuki trifft unten auf, aber das ist nicht schlimm, es ist ja ein Gespenst. Als würde ein Laken runterfallen. Es gleitet direkt vor Edwinas Füße, bringt unterwegs die nasse Hose mit. Und die Bananenschale, schon ganz schwarz, landet auf Edwinas schwarzen Haaren.

Edwina ist trotz allem sehr traurig. Das merkt Spuki und tröstet sie. Dabei nimmt es ihr ganz zärtlich die schwarzgewordene Bananenschale vom Kopf und säuselt ihr ins Ohr: »Ich habe eine Idee, wir können deinem Ex-Mann eins auswischen.« Spuki sagt: »Wenn wir beide heiraten, wischen wir Waldemar eins aus und ich verspreche dir ewiges Leben.« Das ist aber gelogen. Spuki könnte zwar möglich machen, dass sie ewig lebt, hat aber gar kein Interesse.

Sie fliegen nach Las Vegas. Spuki klemmt Edwina unter'n Arm und los. Sie heiraten bei einem Elvis-Darsteller. Der ist aber gerade heiser, also kann er nicht singen. Sie fliegen wieder zurück. Eigentlich zum Turm. Aber nicht beide kommen an: Edwina ist ins Meer gefallen. Er hat sie einfach fallen lassen. Absichtlich. Eine Art Stop-Over. Sie ist tot und sinkt auf den Meeresboden.

Jetzt hat es den Turm.

Das ist aber noch nicht das Ende der Geschichte. Spuki macht sich Vorwürfe und entwicklet eine Autoaggression: Es baut Spinat an. Der verliebte Förster Waldemar, 26, kommt zurück zum Turm, um zu gucken. Er wird der Spinat-Gärtner, Spuki verliebt sich in Waldemar, und die beiden machen eine Konservenfabrik auf.

Und das ist das Ende der Geschichte!

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Wimmelbild

Bild: Ines Glawe

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Alternative Titel

  • Spuki, das Türmer
  • Geistreich
  • Spuki und die Dreiecksbeziehung
  • Die Dreiecksbeziehung von Spuki
  • Alles Spinat, oder was!
  • Da haben wir den Spinat
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Themen der Geschichte

Liebe, Spinat, Geister, Verrat, Schuld, Sühne, Ehe, Scheidung, Spinatkontinuum, Wissenschaft, Mord, Intrige, nasse Hose, Wabern.

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